Kurz gesagt
- Schreib deinen Lebenslauf auf Englisch, wenn die Stellenanzeige auf Englisch ist oder die Firma auf Englisch arbeitet.
- Behalte die deutsche Form: tabellarisch, neueste Station zuerst, Monat und Jahr bei jeder Station.
- Übersetze Abschlüsse, Noten und Jobtitel ehrlich. Ein englischer Titel darf nicht mehr versprechen als der deutsche.
Du hast eine Stelle in Berlin gefunden, die Anzeige ist komplett auf Englisch. Dein Lebenslauf liegt auf Deutsch vor. Reicht es, ihn durch ein Übersetzungstool zu schicken?
Meistens nicht. Ein guter Lebenslauf auf Englisch ist kein übersetzter deutscher Lebenslauf und auch kein US-Resume. Dieser Artikel zeigt dir, wann Englisch die richtige Wahl ist, was du von der deutschen Form behältst und wie du Überschriften, Abschlüsse, Noten, Jobtitel und Sprachniveaus sauber überträgst.
Wann ein Lebenslauf auf Englisch die richtige Wahl ist
Die einfachste Regel: Antworte in der Sprache der Anzeige. Ist die Stellenanzeige auf Englisch, schick einen englischen Lebenslauf. Ist sie auf Deutsch, schick einen deutschen, auch wenn im Team Englisch gesprochen wird.
Englisch passt außerdem, wenn:
- die Firma international arbeitet und Englisch die Arbeitssprache ist,
- die Anzeige ausdrücklich Unterlagen auf Englisch verlangt,
- dein Lebenslauf auch von Kolleginnen und Kollegen außerhalb Deutschlands gelesen wird, etwa bei einem Konzern mit Zentrale im Ausland.
Unsicher? Schau, in welcher Sprache die Anzeige die Anforderungen nennt. Dort steht meist auch die Sprache, in der das Team mit dir arbeitet.
Antworte in der Sprache der Anzeige, nicht in der Sprache, in der du dich sicherer fühlst.
Deutsche Form, englische Sprache
Eine englischsprachige Stelle in Deutschland bedeutet nicht, dass die Firma ein US-Resume erwartet. Die Sprache ändert sich, die Lesegewohnheiten der Recruiter in Deutschland bleiben oft gleich. Die folgende Gegenüberstellung beschreibt verbreitete Praxis, keine festen Regeln.
| Merkmal | Deutscher Lebenslauf auf Englisch | Typisches US-Resume |
|---|---|---|
| Aufbau | Tabellarisch, Daten links, Inhalt rechts | Fließender Block mit Stichpunkten |
| Reihenfolge | Neueste Station zuerst | Neueste Station zuerst |
| Datumsangaben | Monat und Jahr bei jeder Station | Oft nur Jahre oder gar keine Monate |
| Lücken | Kurz erklärt, statt verschwiegen | Häufig weggelassen |
| Foto | Verbreitet, aber kein Muss | Unüblich |
| Länge | Ein bis zwei Seiten | Meist eine Seite |
Zum Foto: In Deutschland ist es verbreitet, aber du musst keins beilegen. Bei internationalen Firmen und englischen Ausschreibungen verzichten viele Bewerberinnen und Bewerber bewusst darauf. Entscheide nach Branche und Unternehmen.
Bei den Datumsangaben hilft ein kleiner Trick: Schreib Monate als Wort, zum Beispiel "Mar 2021, Jun 2024". Zahlen wie 03/04/2021 lesen Briten und Amerikaner unterschiedlich, das Wort ist eindeutig.
Abschnittsüberschriften übersetzen
Behalte die deutsche Reihenfolge und benenne jeden Abschnitt mit einem klaren englischen Label. Eine einzelne stehen gebliebene deutsche Überschrift wie "Berufserfahrung" wirkt unfertig.
| Deutsche Überschrift | Englische Entsprechung |
|---|---|
| Persönliche Daten | Personal details |
| Kurzprofil | Profile |
| Berufserfahrung | Professional experience |
| Praktika | Internships |
| Ausbildung, Studium | Education |
| Berufsausbildung | Vocational training |
| Weiterbildung | Professional development |
| Zertifikate | Certifications |
| Kenntnisse | Skills |
| Sprachkenntnisse | Languages |
| Ehrenamt | Volunteering |
| Interessen | Interests |
"Curriculum Vitae" als Überschrift ganz oben kannst du weglassen. Dein Name ist die beste Überschrift.
Abschlüsse, Noten und Jobtitel ehrlich übertragen
Hier passieren die folgenreichsten Fehler. Nicht, weil das Englisch schlecht ist, sondern weil die Übersetzung mehr verspricht als das Original.
Abschlüsse: Original behalten, kurz erklären
Behalte den Originalnamen deines Abschlusses und ergänze eine neutrale englische Beschreibung. Beispiele:
- "Abitur (German university entrance qualification)"
- "Diplom-Ingenieur (Dipl.-Ing.), Mechanical Engineering"
- "Vocational training (Ausbildung) as Industriekauffrau"
Schreib nicht selbst "equivalent to a Master's degree" dazu. Eine Gleichwertigkeit gibst du nur an, wenn du sie belegen kannst. Für ausländische Abschlüsse ist anabin, das Infoportal der Kultusministerkonferenz, die offizielle Anlaufstelle. Eine behördliche Einstufung eines ausländischen Hochschulabschlusses bekommst du über die Zeugnisbewertung der ZAB. Liegt dir eine solche Bewertung vor, kannst du sie im Lebenslauf nennen.
Noten: die Skala mitliefern
Eine deutsche Note sagt einem internationalen Leser ohne Skala wenig. Eine 1,7 wirkt auf jemanden, der 4.0 als Bestnote kennt, wie ein schwaches Ergebnis. Schreib die Skala dazu und nutze im Englischen den Punkt statt des Kommas:
- "Grade: 1.7 (German scale, 1.0 = best, 4.0 = pass)"
Rechne die Note nicht selbst in ein anderes System um. Die Skala reicht, damit der Leser einordnen kann.
Jobtitel: übersetzen, nicht befördern
Der englische Titel soll deine tatsächliche Rolle beschreiben. Ein Titel, der größer klingt als die Stelle, fällt spätestens im Gespräch oder bei der Referenzprüfung auf. Die folgenden Übertragungen sind beispielhaft:
| Deutscher Titel | Ehrliche Übertragung | Zu hoch gegriffen |
|---|---|---|
| Sachbearbeiterin Buchhaltung | Accounting Clerk | Accounting Manager |
| Teamleiter Vertrieb | Sales Team Lead | Head of Sales |
| Werkstudentin Marketing | Working Student, Marketing | Marketing Manager |
| Geschäftsführer (GmbH) | Managing Director | CEO und Founder |
Wenn ein Titel im Englischen schwer zu fassen ist, nenn den Originaltitel und beschreib die Rolle in einer Zeile darunter.
Ein englischer Jobtitel darf deine Rolle erklären, aber nicht befördern.
Sprachniveaus nach dem GER angeben
"Fluent" oder "good knowledge" bedeutet für jeden Leser etwas anderes. Der Gemeinsame Europäische Referenzrahmen (GER, englisch CEFR) des Europarats beschreibt sechs Stufen von A1 bis C2. Diese Stufen sind in Europa weit verbreitet.
So kann der Abschnitt "Languages" aussehen (beispielhaft):
- German: C1 (CEFR), Goethe-Zertifikat C1
- English: C2 (CEFR)
- Turkish: native
Nenne ein Zertifikat, wenn du eins hast. Ohne Zertifikat schätz dein Niveau realistisch ein. Im Gespräch zeigt sich schnell, ob B2 oder C1 stimmt.
Sätze neu schreiben statt übersetzen
Ein Punkt, der Wort für Wort übersetzt ist, klingt im Englischen steif. Schreib ihn neu: Beginne mit einem Verb und nenne, was dabei herauskam. Das Beispiel ist beispielhaft:
| Wörtlich übersetzt | Neu geschrieben |
|---|---|
| Responsible for the realisation of customer projects in the area of logistics. | Delivered warehouse software projects for three retail clients. |
Die zweite Fassung ist keine genauere Übersetzung, sondern ein anderer Satz rund um Handlung und Ergebnis. Wichtig: Schreib nur Zahlen hinein, die stimmen. Ein erfundenes Ergebnis klingt auf Englisch nicht glaubwürdiger als auf Deutsch.
Lies dir den fertigen Text laut vor oder bitte jemanden mit sehr gutem Englisch, drei Punkte vorzulesen. Wo die Person stockt, steckt noch deutscher Satzbau.
Den englischen Lebenslauf an die Anzeige anpassen
Steht deine englische Fassung, kommt der wichtigste Schritt: die Anpassung an die konkrete Stelle. Nimm die Begriffe aus der Anzeige auf, wo sie auf dich zutreffen, und stell die passenden Erfahrungen nach oben.
Bei TalentVP fügst du dafür die Stellenanzeige ein und bekommst einen Lebenslauf, der auf diese Stelle zugeschnitten ist. Die Anpassung erfindet keine Zahlen, Arbeitgeber oder Erfolge: Deine Fakten bleiben deine Fakten. CV Tailoring ist Teil der kostenpflichtigen Pläne.
Mehr zur deutschen Grundform, zu Foto, Länge und Aufbau findest du im Leitfaden zum deutschen Lebenslauf, der jeden Abschnitt Schritt für Schritt erklärt.





