Quick Answer: Was ist ein Anschreiben? Es ist der einseitige, formelle Brief, der einer Bewerbung beiliegt und begründet, warum Sie sich auf genau diese Stelle bewerben und warum Sie dafür geeignet sind. Der Lebenslauf zeigt vollständig, was Sie gemacht haben; das Anschreiben wählt daraus aus, was für diese Stelle zählt, und stellt den Bezug zum Unternehmen her. In der Schweiz heißt dasselbe Dokument meist Motivationsschreiben.
Der Lebenslauf zeigt, wer Sie waren. Das Anschreiben zeigt, warum Sie hierher wollen.
Was ist ein Anschreiben? Die Definition in einem Satz
Ein Anschreiben ist ein kurzer, persönlich adressierter Geschäftsbrief, mit dem Sie sich auf eine bestimmte Stelle bewerben und Ihre Eignung begründen.
Drei Merkmale machen diese Definition aus:
- Kurz: eine Seite. Wird es länger, entsteht ein zweiter Lebenslauf in Prosa.
- Adressiert: an ein bestimmtes Unternehmen und nach Möglichkeit an eine namentlich bekannte Person, bezogen auf eine konkrete Ausschreibung.
- Begründend: Es zählt nicht auf, es argumentiert.
Im klassischen deutschen Bewerbungsverfahren ist das Anschreiben das erste Blatt der Bewerbungsmappe. Dahinter folgen Lebenslauf, Arbeitszeugnisse und weitere Nachweise. Die Mappe aus Papier ist weitgehend verschwunden, die Reihenfolge der Gedanken nicht: Erst kommt die Begründung, dann der Beleg.
Wie Personalverantwortliche ein Anschreiben nutzen
Nicht alle Personalverantwortlichen lesen Anschreiben, und nicht alle lesen sie gleich gründlich. Wer liest, achtet aber auf dieselben Punkte.
| Was geprüft wird | Schwaches Signal | Starkes Signal |
|---|---|---|
| Absicht | Allgemeines Interesse an „einer Tätigkeit in diesem Bereich" | Nennt genau diese Stelle und dieses Unternehmen |
| Auswahl | Wiederholt den Lebenslauf in ganzen Sätzen | Greift die ein, zwei Erfahrungen heraus, die hier zählen |
| Kontext | Lässt offene Fragen offen | Erklärt Umzug, Branchenwechsel oder Lücke in einem Satz |
| Ausdruck | Lang, allgemein, voller Floskeln | Klar, konkret, überprüfbar |
Dahinter steht eine einfache Arbeitsteilung. Der Lebenslauf beantwortet die Frage „Was hat diese Person gemacht?". Das Anschreiben beantwortet die Frage „Warum ist das für uns relevant?". Wiederholt ein Anschreiben nur die erste Antwort, wird es überblättert. Beantwortet es die zweite, liest man den Lebenslauf danach anders.
Für internationale Bewerbungen hat die Zeile „Kontext" besonderes Gewicht. Ein Lebenslauf aus einem anderen Land wirft Fragen auf: Arbeitserlaubnis, Sprachniveau, Anerkennung des Abschlusses, Beweggrund für den Wechsel. Das Anschreiben ist das einzige Dokument, in dem Sie diese Fragen in eigenen Worten beantworten.
Die Bestandteile eines Anschreibens
Ein deutsches Anschreiben folgt dem Aufbau eines Geschäftsbriefs, meist orientiert an DIN 5008. Diese Elemente gehören dazu:
- Absender: Name, Anschrift, Telefonnummer, E-Mail-Adresse.
- Empfänger: Unternehmen, Ansprechperson, Anschrift.
- Ort und Datum: rechtsbündig.
- Betreffzeile: fett, ohne das Wort „Betreff", mit Stellenbezeichnung und gegebenenfalls Kennziffer.
- Anrede: persönlich, mit Titel, sofern bekannt.
- Einleitung: die Stelle und Ihr wichtigstes Argument.
- Hauptteil: ein bis zwei Belege aus Ihrer Erfahrung, bezogen auf die Anforderungen.
- Bezug zum Unternehmen: warum genau dieser Arbeitgeber.
- Schluss: nächster Schritt, dazu Eintrittstermin und Gehaltsvorstellung, wenn danach gefragt wird.
- Grußformel und Unterschrift: „Mit freundlichen Grüßen", ohne Komma.
Das ist das Gerüst. Wie Sie die einzelnen Teile mit Inhalt füllen, erklärt unser Ratgeber Anschreiben schreiben Schritt für Schritt.
Anschreiben, Lebenslauf, Motivationsschreiben: die Abgrenzung
Diese drei Dokumente werden oft verwechselt, und die Verwechslung kostet Bewerbungen.
| Dokument | Zweck | Form | Einsatz |
|---|---|---|---|
| Lebenslauf | Vollständige, tabellarische Übersicht über Werdegang, Ausbildung und Kenntnisse | Tabellarisch, meist ein bis zwei Seiten | Jede Bewerbung |
| Anschreiben | Begründung für eine Stelle bei einem Unternehmen | Geschäftsbrief, genau eine Seite | Die meisten Bewerbungen, sofern das Unternehmen nichts anderes vorgibt |
| Motivationsschreiben | Persönliche Beweggründe und Ziele | Brief, oft ein bis zwei Seiten | Studium, Stipendium, manche Traineeprogramme; in der Schweiz auch üblicher Name für das Anschreiben |
Als Faustregel: Den Lebenslauf aktualisieren Sie, das Anschreiben schreiben Sie für jede Stelle neu. Ein Motivationsschreiben stellt Ihre Ziele in den Mittelpunkt, ein Anschreiben die Belege, mit denen das Unternehmen etwas anfangen kann.
Hinzu kommt eine vierte Form: das kurze Textfeld im Online-Formular oder die Bewerbungs-E-Mail. Der Funktion nach ist auch das ein Anschreiben, nur mit weniger Platz für dieselbe Aufgabe.
Anschreiben in Deutschland, Österreich und der Schweiz
Wer sich aus dem Ausland in die DACH-Region bewirbt, trifft auf dasselbe Dokument unter verschiedenen Namen und mit strengeren Konventionen als im englischsprachigen Raum.
- Deutschland: Das Anschreiben gehört zu den „vollständigen Bewerbungsunterlagen", zusammen mit dem Lebenslauf und in der Regel mit Arbeitszeugnissen und Zertifikaten.
- Österreich: Auch hier heißt es Anschreiben oder Bewerbungsschreiben. Akademische Titel werden in der Anrede verwendet, sobald sie bekannt sind, zum Beispiel „Sehr geehrte Frau Mag. Huber".
- Schweiz: Meist spricht man vom Motivationsschreiben, auch bei ganz normalen Stellenbewerbungen. Geschrieben wird ohne „ß", die Grußformel lautet „Freundliche Grüsse".
Einige Regeln überraschen Bewerberinnen und Bewerber aus anderen Ländern:
- Foto und Geburtsdatum stehen, wenn überhaupt, im Lebenslauf und nicht im Anschreiben.
- Das förmliche „Sie" ist Standard, auch bei Start-ups, solange die Ausschreibung nicht selbst duzt.
- Fragt die Anzeige nach Gehaltsvorstellung oder frühestem Eintrittstermin, gehört die Antwort kurz in den Schlussabsatz.
- Eine Seite ist eine feste Grenze, keine Empfehlung.
Einige Unternehmen, vor allem größere mit Online-Bewerbungsformularen, verzichten inzwischen auf das Anschreiben oder ersetzen es durch einige Fragen. Optional heißt aber nicht nutzlos: Für internationale Bewerbungen bleibt es oft der beste Ort, um zu erklären, was der Lebenslauf allein nicht erklären kann.
Was ein Anschreiben nicht ist
Zum Verständnis einer Textsorte gehören ihre Grenzen. Ein Anschreiben ist nicht:
- Ein zweiter Lebenslauf. Lässt sich ein Absatz durch eine Stichpunktliste aus dem Lebenslauf ersetzen, steht er im falschen Dokument.
- Eine Lebensgeschichte. Herkunft und Studienwahl gehören nur dann hinein, wenn sie Ihre Eignung für genau diese Stelle erklären.
- Eine Aufzählung von Eigenschaften. „Motiviert", „flexibel" und „zuverlässig" beschreiben fast alle Bewerbenden und damit niemanden.
- Eine Bitte um irgendeine Stelle. Wer sich „für eine passende Position" empfiehlt, zeigt, dass er noch nicht gewählt hat.
- Ein Ort für Behauptungen ohne Beleg. Jeder Satz kann im Vorstellungsgespräch zur Sprache kommen. Schreiben Sie nur, was Sie dort erklären können.
Wann Sie ein Anschreiben brauchen und wann nicht
Ein Anschreiben lohnt sich, wenn:
- die Ausschreibung es verlangt, ausdrücklich oder durch die Bitte um „vollständige Bewerbungsunterlagen";
- Ihr Lebenslauf Erklärung braucht: Umzug nach Deutschland, Branchenwechsel, Lücke oder eine Eignung, die nicht auf den ersten Blick sichtbar ist;
- Sie sich direkt bei einer Person bewerben und nicht über ein Formular.
Verzichten können Sie in der Regel, wenn:
- das Unternehmen ausdrücklich schreibt, dass kein Anschreiben nötig ist;
- das Formular weder ein Upload-Feld noch ein Freitextfeld vorsieht;
- ein Personalberater die Stelle besetzt und nur den Lebenslauf angefordert hat.
Im Zweifel kostet ein kurzes, konkretes Anschreiben eine Seite und schadet selten. Ein austauschbares kostet Glaubwürdigkeit.
Warum Sie Ihr eigenes Anschreiben schlecht beurteilen können
Zu wissen, was ein Anschreiben ist, heißt noch nicht, ein schwaches zu erkennen, schon gar nicht das eigene.
Sie kennen den Hintergrund jedes Satzes, deshalb klingt Ihr Anschreiben für Sie immer konkret. Die Leserin hat nur das Blatt. „Ich bringe internationale Erfahrung mit" fühlt sich für Sie greifbar an, weil Sie die Projekte dahinter kennen. Auf dem Papier ist es ein Satz, der in unzähligen Anschreiben steht.
Die Prüffrage ist einfach: Könnte dieser Satz unverändert im Anschreiben eines anderen Menschen stehen? Wenn ja, leistet er noch nichts. Der Abgleich mit der Ausschreibung oder ein fremder Blick zeigt solche Stellen schneller als jedes erneute Durchlesen.
Einige Plattformen, darunter TalentVP, stellen Anschreiben-Beispiele nach Beruf direkt neben die Schreibwerkzeuge. Der Vergleich Ihres Entwurfs mit einem fertigen Anschreiben für eine ähnliche Stelle zeigt oft am schnellsten, wie die Textsorte funktioniert.
Ihre 5-Punkte-Prüfung vor dem Absenden
- Klären Sie, ob ein Anschreiben erwartet wird. Achten Sie in der Anzeige auf „Anschreiben", „Motivationsschreiben" oder „vollständige Bewerbungsunterlagen".
- Nennen Sie Stelle und Unternehmen in den ersten beiden Zeilen. Fehlt eines davon, ist das Anschreiben noch austauschbar.
- Beschränken Sie sich auf ein oder zwei Belege. Wählen Sie die Erfahrungen, die die wichtigsten Anforderungen beantworten.
- Beantworten Sie die offene Frage Ihres Lebenslaufs. Umzug, Arbeitserlaubnis, Sprachniveau oder Branchenwechsel: je eine Zeile, wenn relevant.
- Halten Sie die Form ein. Geschäftsbrief, Betreff, persönliche Anrede, eine Seite, Unterschrift.
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